Grundsätze Die Kreislaufwirtschaft: ein anderer Ansatz für Ressourcenmanagement und Wertschöpfung

Nachdem die Menschheit über Jahrhunderte hinweg mit dem "take-make-waste"-Modell gelebt hat, verspricht die Kreislaufwirtschaft ein anderes Handeln. Aber wie anders wird es sein? Wie werden sich die Ziele der Unternehmen ändern? Und was bedeutet dies für die Produkte, welche die Menschen benötigen?

Strategie- und Forschungsteams in der Luxemburger Regierung haben Antworten auf diese Fragen erarbeitet und stützten sich dabei auf ein breites Spektrum an interner und externer Expertise. Um die Antworten in spezifische Aktionspläne und Programme überführen zu können, wurden sie zu Bausteinen für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft zusammengefasst. Es gibt fünf dieser Bausteine, sie bilden das Herzstück eines Wandels, der bereits begonnen hat.

Eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen, bedeutet:
  1. Einen holistischen Ansatz für den Umgang mit Produkten, Komponenten und Material verfolgen: von der Idee bis zum konkreten Endergebnis. Auch der Faktor Mensch spielt hierbei eine Rolle, denn Unternehmen und Behörden müssen mit ihren Lieferanten und Partnern über die Auswirkungen ihres Handelns sprechen und Wege finden, damit beide Seiten von den Vorteilen profitieren, aber auch die Kosten teilen können. 
  2. Zwischen zwei Materialzyklen unterschieden: Der technologische Zyklus umfasst Produkte, Komponenten und Materialien, welche genutzt und nach dem Gebrauch wieder dem Kreislauf zugeführt werden. Der biologische Zyklus umfasst Nahrung und andere organische Stoffe welche uns die Natur liefert. Das Ziel besteht hierbei darin, dem Boden die enthaltenen Nährstoffe nach der Nutzung zurückzugeben. Dadurch regeneriert er sich, die Ökosysteme werden geschützt und es ergeben sich neue Möglichkeiten der Kaskadennutzung, wie die Energiegewinnung aus Biomasse. Ein wichtiges Ziel der Kreislaufwirtschaft ist das Schliessen dieser beiden Materialzyklen und somit die Vermeidung vun Abfall.
  3. Entwicklung von Qualitätsprodukte, die ihren Wert über den ganzen Nutzungszyklus bewahren (bezogen nicht nur auf den ökonomischen Wert, sondern auch die Funktionalität und die Zyklusfähigkeit der enthaltenen Materialien). Da die Umweltauswirkung eines Produkts zu 80 % bereits in der Entwicklungsphase bestimmt wird, ist es wichtig, von Anfang an richtig zu konzipieren und zu planen.
  4. Ermutigung von Hersteller und Lieferanten müssen, klare, aktuelle und der Realität entsprechende Informationen zu ihren Produkten, Komponenten und Materialien zu liefern. Diese Informationen müssen in allen relevanten Materialzyklen leicht verfügbar sein, so dass jedes Unternehmen in der Wertschöpfungsette und jeder Verbraucher, der das Produkt nutzt, Antworten auf seine Fragen findet.
  5. Entwicklung von neuen Geschäftsmodelle, welche die Menschen ermutigen, ein Produkt oder eine Dienstleistung gemeinsam zu nutzen oder den Zugang dazu zu teilen, anstatt selbst der Eigentümer zu sein. Car-sharing statt einem eigenen Auto ist ein klassisches Beispiel dafür, dass ein einziges Produkt den Bedarf vieler Menschen decken kann.

Der Nutzungswert zieht sich für Unternehmen aller Wirtschaftszweige wie ein roter Faden durch die beiden Materialzyklen. Konkret heißt dies: (1) den Wert schaffen, (2) ihn erhalten und später (3) ihn zurückgewinnen. Einen Wert schaffen bedeutet, Qualitätsprodukte zu entwickeln, die nicht nur lange halten sollen, sondern die sich auch wieder zerlegen lassen und deren Materialien bzw. Komponenten wieder dem Zyklus zugeführt werden können. Wenn das Produkt genutzt wird, soll der Wert durch Reparatur und Wartung länger erhalten bleiben. Auf diese Weise kann die Lebensdauer eines Produkts auch durch einen Second-hand-Markt verlängern werden. Am Ende wird der Wert durch Wiederverwendung, Wiederaufarbeitung und/oder Wiederverwertung zurückgewonnen, sodass er idealerweise nie vollständig verloren geht. Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf folgendes Schema:

In der luxemburgischen "Null Offall" Strategie wurden der Wertehügel und die Abfallhierarchie der Europäischen Kommission in ein einziges Schema eines Ressourcendreiecks integriert, um die Verbindung zwischen Abfallvermeidungsmaßnahmen und Kreislaufwirtschaftsprinzipien zu veranschaulichen. Der sich daraus ergebende Ressourcendiamant und das Ressourcenblatt für den biologischen bzw. den technologischen Kreislauf sind unten dargestellt (zum Vergrößern  bitte auf die Bilder klicken).

Der Ressourcendiamant integriert die Abfallhierarchie und den Wertehügel für den technologischen Kreislauf (Quelle: Strategie "Null Offall" Luxemburg) 

Das Ressourcenblatt integriert die Abfallhierarchie und den Wertehügel für den biologischen Kreislauf (Quelle: "Null Offall" Strategie Luxemburg) 

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